Die Wiedergeburt eines vergessenen Gartens in Cornwall
Wer durch The Lost Gardens of Heligan spaziert, spürt noch immer etwas von der verlorenen Zeit. Das macht ihn so beeindruckend: Es ist ein Garten mit Geschichte, Atmosphäre und einer fast filmreifen Wiederauferstehung. Ein Ort, an dem man immer wieder stehen bleibt – gerade weil nicht alles zu ordentlich und gepflegt wirkt.
Ein Garten mit bewegter Geschichte
Die Geschichte von Heligan reicht bis ins frühe siebzehnte Jahrhundert zurück. Im neunzehnten Jahrhundert entwickelte sich das Anwesen zum botanischen Schmuckstück der Familie Tremayne. Es war die Zeit der Pflanzensammler, in der wohlhabende Briten Expeditionen unter anderem nach Burma, China und Japan finanzierten.
Von diesen fernen Reisen brachten sie besondere Pflanzen mit nach Cornwall. Darunter exotische Rhododendren, Magnolien und Palmen, die dank des milden Klimas der Region gut gedeihen konnten. So wurde Heligan zu einem Garten voller Entdeckungen – mit Pflanzen, die für viele Besucher damals fast unwirklich gewirkt haben müssen.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, änderte sich alles. Viele Gärtner zogen an die Front und kehrten nicht mehr zurück. Die Pflege kam zum Erliegen. Langsam aber sicher übernahmen Brombeeren, Brennnesseln und junge Bäume den Garten.
Was einst ein geordnetes Paradies gewesen war, verschwand hinter einer dichten grünen Schicht. Nicht auf einmal natürlich, sondern Jahr für Jahr. Bis kaum noch jemand wusste, welche Schönheiten sich unter all dem Grün verbargen.

Wie Tim Smit den Lost Gardens of Heligan neues Leben einhauchte
Im Jahr 1990 entdeckte der britisch-niederländische Musikproduzent Tim Smit den vergessenen Garten. Oder vielmehr: Er erkannte hinter dem Wildwuchs, was hier einmal gestanden hatte. Wo andere vielleicht nur ein verwildertes Gelände sahen, erkannte er die Umrisse eines historischen Gartens.
Damit begann eine enorme Rettungsaktion. Mehr als 1.500 Tonnen überwucherter Vegetation wurden entfernt. Alte Wege kamen wieder zum Vorschein, historische Strukturen wurden sichtbar und die ursprüngliche Anlage des Gartens konnte Schritt für Schritt wiederhergestellt werden.
Eine Fernsehserie über die Restaurierung machte das Projekt einem breiten Publikum bekannt. Seitdem ziehen die Lost Gardens of Heligan jährlich Hunderttausende Besucher an. Tim Smit sollte später auch das Eden Project ins Leben rufen, ebenfalls in Cornwall und nicht weit von Heligan entfernt.

Was können Sie in den Lost Gardens of Heligan sehen?
Die Lost Gardens of Heligan umfassen etwa 80 Hektar. Das ist groß genug, um sich dort wirklich ein paar Stunden lang zu „verlieren“. Der Garten gliedert sich in verschiedene Bereiche, jeder mit einer eigenen Atmosphäre. Mal wirkt er formal und historisch, mal wild und fast tropisch.
The Jungle
The Jungle ist wohl der spektakulärste Bereich von Heligan. In den geschützten Tälern wachsen Bambus, Trachycarpus-Palmen und beeindruckende Dicksonia-Baumfarne aus Tasmanien. Einige Farne ragen meterhoch empor, sodass man sich für einen Moment in einem völlig anderen Erdteil wähnt.
Bemerkenswert ist auch, dass Heligan als einziger Ort in England gilt, an dem Ananas im Freien angebaut werden kann. Das geschieht mit einer alten viktorianischen Technik, bei der Wärme aus verrottenden Kompost und Mist entsteht. Das klingt vielleicht nicht besonders romantisch, ist aber faszinierend zu sehen – wie klug man früher mit natürlichen Wärmequellen umging.
Die Nutzgärten
Im ummauerten Gemüsegarten wird noch immer nach traditionellen viktorianischen Methoden gearbeitet. Hier werden mehr als 300 Erbsorten von Gemüse, Obst und Kräutern angebaut. Ein Ort, der zeigt, dass ein Garten nicht nur schön sein muss, sondern auch nahrhaft, praktisch und reich an Wissen sein kann.
Auch das historische Wassersystem wurde wiederhergestellt. Dadurch ist an verschiedenen Stellen im Garten wieder Wasser verfügbar, so wie es ursprünglich gedacht war. Für eigene Hobbygärtner ist dieser Teil von Heligan besonders inspirierend: Man sieht alte Techniken, die überraschend zeitgemäß wirken.
Nationale Sammlungen von Kamelien und Rhododendren
In den Lost Gardens of Heligan befinden sich nationale Sammlungen von Rhododendren und Kamelien, die vor 1920 eingeführt wurden. Einige Exemplare sind inzwischen zu riesigen Sträuchern herangewachsen – fast schon Bäume –, mit beeindruckender Höhe und Breite.
Im Frühjahr stehen sie in voller Blüte. Dann leuchten Teile des Gartens in Rot, Rosa, Weiß und Zartrosa. Es ist einer der schönsten Zeitpunkte, um Heligan zu besuchen – besonders für alle, die blühende Sträucher und alte Pflanzensammlungen mit Charakter schätzen.
Die Skulpturen: Mud Maid und Giant’s Head
Zwischen dem Grün verbergen sich zwei der bekanntesten Kunstwerke von Heligan: die Mud Maid und der Giant’s Head. Sie sind aus natürlichen Materialien wie Moos, Erde, Ästen und Pflanzen gefertigt.
Das Besondere ist, dass sie nicht losgelöst in der Landschaft stehen, sondern langsam in ihr aufzugehen scheinen. Als hätten sie immer schon zwischen den Bäumen gelegen. Für viele Besucher sind diese Figuren unerwartete Höhepunkte des Besuchs. Manchmal muss man ein wenig suchen – aber das gehört eigentlich zum Charme.

Praktische Informationen für Ihren Besuch in Heligan
Die Lost Gardens of Heligan liegen in Cornwall, in der Nähe von Mevagissey und St Austell. Wer mit dem Auto anreist, folgt ab St Austell der B3273 Richtung Mevagissey und dann den braunen Touristenschildern nach Heligan. Parken ist auf dem Gelände selbst möglich.
Der Garten ist das ganze Jahr über geöffnet und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Im Mai und Juni zeigen sich Rhododendren und Kamelien häufig von ihrer schönsten Seite. Im Sommer ist der Garten üppig und belebt, während Herbst und Winter eine stillere, fast geheimnisvolle Atmosphäre verbreiten.
Nehmen Sie festes Schuhwerk mit. Das Gelände ist weitläufig und weist Höhenunterschiede auf. Besonders wenn Sie auch The Jungle und die weiteren Teile des Gartens erkunden möchten, ist bequemes Schuhwerk kein überflüssiger Luxus.
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittskarten finden Sie auf der offiziellen Website von Heligan. Es empfiehlt sich, diese Informationen vor der Abreise zu prüfen – besonders außerhalb der Hauptsaison.







