Botanischer Garten in den Gewächshäusern von Cornwall
Im Inneren finden Sie über eineinhalb Hektar Pflanzen – rund eine Million Exemplare, aufgeteilt auf mehr als fünftausend Arten. Sie spazieren durch einen tropischen Regenwald, eine mediterrane Landschaft und weitläufige Außengärten. Damit ist es nicht nur ein Ort für Pflanzenliebhaber, sondern auch für alle, die besser verstehen möchten, wie Natur, Klima und Mensch miteinander verbunden sind.
Wie das Eden Project entstand
Die Idee für das Eden Project stammte von Tim Smit. Er war zuvor an der Restaurierung der Lost Gardens of Heligan, ebenfalls in Cornwall, beteiligt. Nach diesem Erfolg suchte er nach einem neuen Projekt und fand es in Bodelva: einem verlassenen Steinbruch, in dem jahrelang Kaolinit abgebaut wurde. Kaolinit ist ein weißer Ton, der unter anderem in der Keramik- und Kosmetikindustrie verwendet wird.
Gemeinsam mit dem Architekten Nicholas Grimshaw entwickelte Smit einen ehrgeizigen Plan: zwei große geodätische Kuppeln, in denen völlig unterschiedliche Klimazonen nachgebildet werden konnten. Die Idee für die Biome entstand während eines informellen Gesprächs, bei dem die ersten Skizzen auf einer Serviette gezeichnet wurden.
Ende der neunziger Jahre begannen die Bauarbeiten. Innerhalb von gut anderthalb Jahren entstanden die Gewächshäuser, und im Jahr 2001 öffnete das Eden Project seine Tore für die Öffentlichkeit.
Seitdem haben Millionen von Besuchern den Weg zu diesem besonderen Ort gefunden. Und ehrlich gesagt: Wer einmal durch das Gelände spaziert, versteht schnell, warum.

Was sehen Sie im größten Gewächshaus: dem Rainforest Biome?
Das größte Gewächshaus ist das Rainforest Biome. Hier betreten Sie gewissermaßen einen tropischen Regenwald – allerdings unter Glas. Die Temperatur liegt zwischen 18 und 35 Grad Celsius, und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Das mag sich zunächst ungewohnt anfühlen, doch für die Pflanzen sind es genau die richtigen Bedingungen.
Hier wachsen mehr als tausend tropische Pflanzenarten, darunter Bananenbäume, Kakaopflanzen und Vanilleranken. Über eine Hängeseilbrücke spazieren Sie zwischen den Baumkronen hindurch, mit Blick auf Wasserfälle und dicht bewachsene Hänge. Es ist ein Ort, an dem man unwillkürlich langsamer wird – weil es überall etwas Neues zu entdecken gibt.
Mitten im Gewächshaus steht auch ein nachgebautes malaysisches Haus. Damit zeigt das Eden Project, wie Menschen seit jeher mit dem tropischen Wald zusammenleben. Das macht den Besuch etwas reichhaltiger: Es geht hier nicht nur darum, Pflanzen zu betrachten, sondern auch um die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Das Mediterranean Biome: Wärme aus vier Himmelsrichtungen
Das zweite große Gewächshaus ist das Mediterranean Biome. Die Atmosphäre hier ist völlig anders. Während das Rainforest Biome feucht und üppig ist, wirkt dieses Gewächshaus trockener, heller und ruhiger. Die Temperatur liegt meist zwischen 9 und 25 Grad Celsius.
Sie finden hier Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus vergleichbaren Klimazonen wie Kalifornien, Südafrika und Westaustralien. Darunter Olivenbäume, Zitrusbäume, Weinreben und viele Pflanzen, denen man sonst eher auf Fernreisen begegnet.
Es ist ein angenehmer Ort zum Schlendern. Die Wege, Sitzgelegenheiten und offenen Flächen laden dazu ein, die Umgebung in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Dabei erzählen die Pflanzensammlungen eine größere Geschichte: über Ernährung, Kultur, Landschaft und Klima in verschiedenen Teilen der Welt.
Außengärten: von Nutzpflanzen bis Kunst
Auch außerhalb der Gewächshäuser gibt es viel zu entdecken. Die Außengärten erstrecken sich über eine weitläufige Landschaft mit mehr als dreitausend Pflanzenarten. Hier sehen Sie unter anderem, wie bekannte Nutzpflanzen wachsen – etwa Getreide und Hopfen. Das klingt vielleicht unspektakulär, aber gerade solche Pflanzen sind interessant: Sie landen oft auf unserem Teller oder in unserem Glas, ohne dass wir je gesehen haben, wie sie eigentlich wachsen.
Verteilt über die Außengärten finden sich Kunstwerke, die die Verbindung zwischen Mensch und Natur versinnbildlichen. Für Besucher mit Kindern ist dieser Teil des Eden Projects ebenfalls attraktiv, da hier mehr Platz zum Spielen und Bewegen ist – und Raum zum Durchatmen zwischen den Besuchen in den großen Gewächshäusern.

The Core: Bildung über das Unsichtbare
Im Bildungszentrum The Core läuft die Dauerausstellung Invisible Worlds. Diese Ausstellung widmet sich allem, was normalerweise verborgen bleibt, aber für das Leben auf der Erde von entscheidender Bedeutung ist. Dazu gehören Pilze, Bakterien, Wurzelsysteme und winzige Verbindungen, die Pflanzen beim Wachsen und Überleben helfen.
Für jüngere Besucher gibt es häufig Vorführungen im Stil eines Labors. Das macht komplexe Themen greifbarer. Denn ehrlich gesagt: Die Welt unter unseren Füßen ist vielleicht nicht direkt sichtbar – aber ohne sie gäbe es oberirdisch kaum etwas.
Das Eden Project hatte von Anfang an eine klare Bildungs- und gesellschaftliche Mission. Die Einnahmen fließen in Naturschutzprojekte und Bildungsprogramme weltweit. Ein Besuch ist also nicht nur ein schöner Ausflug, sondern leistet auch einen Beitrag zu Natur- und Bildungsarbeit in größerem Maßstab.
Praktische Informationen für Ihren Besuch im Eden Project
Das Eden Project befindet sich in Bodelva, Cornwall, mit der Postleitzahl PL24 2SG. Von St Austell aus erreichen Sie es in kurzer Zeit mit dem Auto. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann den Zug nach St Austell nehmen und von dort mit dem Bus weiterfahren.
Für einen vollständigen Besuch der Biome und der Außengärten sollten Sie etwa drei Stunden einplanen. Der Park ist fast das gesamte Jahr geöffnet, mit Ausnahme des 25. und 26. Dezembers. Tickets sind in der Regel am günstigsten, wenn Sie sie im Voraus online buchen.
Ein Besuch im Eden Project lässt sich hervorragend in eine größere Gartenreise durch Cornwall einbinden. Die Region hat noch viele weitere besondere Gärten, Landschaften und Küstenorte zu bieten, die zusammen einen mehrtägigen Aufenthalt lohnenswert machen.
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